Was ist das Grammatik-Pedanterie-Syndrom?

Eva Mohyrova
Eva Mohyrova
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Menschen, die am Grammatik-Pedanterie-Syndrom (GPS) leiden, fühlen sich von grammatikalischen Fehler extrem gestört und verspüren den Drang, jeden einzelnen zu korrigieren. Was genau verursacht diesen Zustand? Könnte er gesundheitsgefährdend sein?
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Über das Grammatik-Pedanterie-Syndroms (GPS) gibt es bisher keinen Wikipedia-Eintrag. Das bedeutet jedoch nicht, dass es nicht existiert. Tatsächlich deuten neuere Studien darauf hin, dass dieses Syndrom eine echte Krankheit und möglicherweise sogar eine Form einer Zwangsstörung ist. Erkunden wir es gemeinsam.

 

WAS IST DAS GRAMMATIK-PEDANTERIE-SYNDROM?

Grammatikfehler kommen überall vor. Muttersprachler machen sie; Nichtmuttersprachler machen sie noch häufiger. Wenn Sie einen Tag verbringen, ohne online oder offline auf grammatische Fehler zu stoßen, haben Sie sehr viel Glück gehabt.

Viele Menschen erkennen diese Fehler, aber diejenigen, die an einem Grammatik-Pedanterie-Syndrom leiden, stören sich daran besonders und erleben einen unerklärlichen Drang, sie zu korrigieren. Wenn Sie einen Freund haben, der jeden begangenen sprachlichen Fehler korrigiert oder Ihnen solche Leute online begegnen, dann haben Sie es wahrscheinlich mit Personen mit GPS zu tun.

 

 

Es ist nicht überraschend, dass Menschen mit Grammatik-Pedanterie-Syndrom häufig zu großartigen Korrekturlesern und Redakteuren werden, die alle Fehler schnell und präzise erkennen können.

 

WAS VERURSACHT DAS GRAMMATIK-PEDANTERIE-SYNDROM?

Seit Jahren wird versucht, das Syndrom und seine Ursachen zu verstehen. In einer im Jahr 2016 durchgeführten Studie wurde versucht, den Zusammenhang zwischen GPS und bestimmten persönlichen Charakteristika zu finden. Es stellte sich heraus, dass das Syndrom nichts mit Alter, Geschlecht oder Bildungsniveau zu tun hat. Die Ergebnisse zeigten jedoch, dass introvertierte Menschen eher dazu neigen, sich über Fehler und Tippfehler zu ärgern.

Es gibt einige Studien, die das Grammatik-Pedanterie-Syndrom mit Zwangsstörungen („obsessive-compulsive disorder“ bzw. OCD) in Verbindung bringen. Diesen Studien zufolge könnte GPS eine Form von OCD sein, wenn die Betroffenen eine erhöhte und zusammenhangslose Angst vor grammatikalischen Fehlern aufweisen.

Menschen, die an Zwangsstörungen leiden, haben intrusive Gedanken, die ihnen Unbehagen bereiten, sie verängstigen oder erschrecken. Infolgedessen entwickeln viele Betroffene bestimmte Rituale, von denen man glaubt, dass sie dabei helfen, die Ängste zusammen mit den anderen intensiv erlebten Gefühlen zu überwinden.

Eine von GPS betroffene Person empfindet das ähnlich: Sie hat den starken Drang, jeden Grammatikfehler oder Tippfehler zu korrigieren, den sie sieht. Betroffene können sich auch ängstlich, frustriert und unwohl fühlen, nachdem sie diese Fehler lediglich gesehen haben. Obwohl GPS keine von Ärzten belegte Diagnose ist, kann es sich jedoch immer noch um ein Symptom einer Zwangsstörung handeln, die wiederum eine verifizierte Diagnose ist.

 

Grammatikfehler kommen überall vor.

 

WAS SIE TUN KÖNNEN, WENN SIE AM GRAMMATIK-PEDANTERIE-SYNDROM LEIDEN

Das hängt davon ab, wie Sie sich fühlen. GPS wirkt sich nicht direkt auf die körperliche Gesundheit aus, kann jedoch das psychische Wohlbefinden beeinflussen, Angstzustände induzieren und eine Person nervöser und zwanghafter machen. In diesem Fall kann das Gespräch mit einem Therapeuten hilfreich sein.

Falls die GPS-Symptome jedoch eher unaufdringlich sind, müssen Sie sich nicht unbedingt professionelle Hilfe suchen. Sie können einfach damit leben wie mit jeder anderen Marotte auch oder es zu Ihrem Vorteil nutzen. Wenn Sie den Wunsch verspüren, grammatikalische Fehler zu erkennen und zu korrigieren, sollten Sie eine Karriere als Redakteur oder Korrekturleser in Betracht ziehen!